26. September 2026
HURRAH! NR.3 - Zeitung für die Anarchie!
HURRAH! NR.3 - ab jetzt im Infoladen Bremen!
Zu dieser Ausgabe
Die dritte Ausgabe der Hurrah! ist ab jetzt im Infoladen zu bekommen, wir freuen uns! Wir veröffentlichen hier das Editorial sowie den Beitrag Wir feiern nicht, weil… als kleinen Vorgeschmack. Viel Spaß beim lesen!
In den vergangenen drei Monaten ist sowohl in Bremen, als auch global viel passiert. Die Geheimdienstreform hat uns ebenso wie Warnungen zu KI beschäftigt, die Terroreinstufung und Sanktionierung von Autistici/Inventati betroffen und wütend gemacht. Umso mehr hat es uns gefreut, dass alle noblogs Seiten als Archiv zugänglich gemacht wurden: Nutzt dafür dieses URL-Schema: [name].nublogs.org
Wir denken an Maja, Gabri und Anna und das anstehende Urteil im Berufungsverfahren, an Gino und Zaid, deren Auslieferung verhandelt wird. Wir blicken mit Sorge auf den Brandanschlag in Sebaldsbrück.
Zugleich hören wir von Praktiken der Solidarität und Aktionen des Widerstandes, auch in Bremen, z.B. als Reaktion auf die geplanten Einheitsfeierei und den fortschreitenden Sozialabbau. Bleibt widerständig, passt aufeinander auf!
Diese Ausgabe beginnen wir mit einem spannendes Interview zu den anstehenden desaströsen Einheitsfeierlichkeiten und Veranstaltungstermine ab Seite 2. Darauf folgt, oft thematisch passend, die in dieser Ausgabe wieder gut befüllte Rubrik Dokumentation in und um Bremen ab Seite 4.
Mit dem kurzen Text Solidarität mit Antifas und Antiras in Osnabrück möchten wir auf ein laufendes Verfahren bei den Gefährt*innen hinweisen. Mehr dazu ab Seite 6.
Es folgt ein Sprung über den Teich mit der Übersetzung Wie Bewegungen zu Beweisen werden. Der Text ist im Kontext des Prairieland-Verfahrens in Texas entstandenen und beschäftigt sich mit Repression und Widerstand unter Bedingungen des Trumpismus.
Anschließend folgt der Text Smarte Netzwerke der Kontrolle ab Seite 13.
Ein kurze Beitrag der Anarchist Front of Iran & Afghanistan wirft im aktuellen Eindruck des Krieges und der Straßenprotesten einen Blick auf anarchistische Organisierungsformen ab Seite 15.
Ein Porträt Emma Goldmans bildet den Auftakt der Reihe Staatsfeind*innen ab Seite 17.
Wir freuen uns auf eure Beiträge für die nächste Ausgabe im nächsten Quartal. Sei es ein Kommentar, eine Polemik, Interview, Geschichte oder Streitschrift oder Bilderstrecke, ihr erreicht uns via Mail.
In diesem Sinne:
Ein Hurrah! auf die Anarchie! Freiheit für alle Gefangenen!
Kraft und Liebe für alle Gefährt*innen im Knast, für alle Untergetauchten und Betroffene staatlicher Repression sowie anderer Formen von Gewalt!
Wir feiern nicht, weil…
Es ist ja so, dass im Scheißeregen der Gegenwart einem das Gehör verloren geht, so viel reale und verbale Kotze ist im Radio zu hören. Selbst in der Bahn muss man sich seit Wochen alltäglich die Werbung zum beschissenen Bürgerfest reinziehen. Vor lauter nationaler Propaganda brennen einem die müden Augen. So manch einer kratzt bei so viel Spektakel ein paar Euros zusammen, um sich trotz Sozialkürzungen wenigstens noch ne Bratwurst zu gönnen, während Fanta4 nostalgische Hits aus den 90ern aufleben lässt. „Bevor wir fallen, fallen wir lieber auf“ motiviert bestimmt den ein oder anderen Jugendlichen, sich bei einem Stand der Bundeswehr über Alternativen zu Arbeitslosigkeit und Möglichkeiten der Zugehörigkeit statt rassistischer Ausgrenzung zu informieren.
Während die einen überhaupt nicht mehr wissen, was da überhaupt gefeiert werden soll, sich einige an die guten Tage der Volksnation zurückzuerinnern versuchen, scheinen wieder andere laut Bürgerallianz und CDU große Pläne gegen den gegebenen Anlass zu schmieden. Auf Bratwurst haben die wohl keine Lust – und dass, obwohl es sicher auch vegane Alternativen geben wird – das muss bei dem millionenschweren Projekt schon drin sein, sonst meckern die Grünen in der Bürgerschaft.
Eine freie Mitarbeiterin der Hurrah! führte zwei Wochen vor dem großen Desaster ein exklusives Interview mit dem Desasterleiter Ehlerz, um den Mutmaßungen auf den Grund zu gehen.
Hurrah: Soll es tatsächlich einen großangelegten Protest geben? Wie laufen die Vorbereitungen, läuft alles nach Plan?
Ehlerz: Es ist ein koordiniertes Chaos. Wir haben einen langen Projektplan und sind voll im Rahmen.
Hurrah: Ein großer Protest ist für die Teilnehmer*innen nicht immer risikofrei. Wie stellt ihr sicher, dass alle eine gute Zeit haben werden?
Ehlerz: Ich glaube, wir haben jetzt ein gutes Mittelmaß gefunden, zu sagen, ja, es gibt Einschränkungen, das lässt sich nicht verhindern bei so einem großen Desaster. Aber wir wollen es auch so machen, dass man eine tolle Zeit dabei hat.
Hurrah: Was erwartet die Stadtgesellschaft?
Ehlerz: Wir präsentieren uns traditionell nicht auf der sogenannten Ländermeile, sondern in einem eigenen Auftritt.
Hurrah: Das klingt geheimnisvoll. Können sie uns zumindest sagen, wer auftreten wird? Sind alte Bekannte dabei?
Ehlerz: Wir reden über national bekannte Acts. Wir wollen den Spannungsbogen hochhalten.
Hurrah: Wie stellen Sie dann sicher, dass auch alle Interessierten von dem Desaster erfahren und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind?
Eherlz: Die Hauptinszenierung wird in einem Loop laufen. Man muss also nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt vor Ort sein wie bei einem Feuerwerk.
Hurrah: Und wie lange wird das Desaster anhalten?
Ehlerz: Mit Straßensperrungen beginnen wir langsam anwachsend. Unsere Hoffnung ist, dass wir erst drei bis vier Tage nach dem Tag der Deutschen Einheit, also nach dem Wochenende, die Straßen wieder komplett frei haben.
Hurrah: Wie sollte man anreisen?
Ehlerz: Wer kann, sollte Bus, Bahn und Nordwestbahn nutzen, um nach Bremen zu kommen und von hier wieder nach Hause. Man kann während des Desasters kostenfrei mit ÖPNV und SPNV nach Bremen und auch wieder zurück kommen, sollte aber die Überwachungsmaßnahmen und erweiterten Kontrollen bedenken.
Hurrah: Apropos Kontrollen: Mit welchem Aufwand der Sicherheitsbehörden muss gerechnet werden, wir haben von einem großen Polizeieinsatz gehört?
Ehlerz: Für hoheitliche Aufgaben bin ich nicht der Ansprechpartner. Die Sicherheitsbehörden werden alles tun, damit man Angst haben muss. Und wir mit unseren Veranstaltungsformaten, werden auch alles tun.
Hurrah: Was möchten Sie unseren Leser*innen noch mitgeben, um sie zu ermutigen, zum Desaster zu kommen?
Ehlerz: Das ist eine Riesenchance, sich toll darzustellen!
Wir danken Ehlerz für die Einblicke in den Stand der Planung.
Wir feiern nicht, weil wirklich alles gegen Feiern spricht.