Transparenzbericht und Statement zum Outcall gegen Jan Henning Bode



sowie Dokumentation der Texte


Wir nehmen mit dieser eigenen Veröffentlichung Stellung jüngsten Outcall von Henning vom 25.05 (von nun an Outcall-Florentine) und der zwei Tage später darauffolgenden Rücknahme der Freischaltung. Seit dem Outcall sind zwei weitere Texte auf Indy erschienen. Eine Verteidigung des Outcalls (von der Unterstützungsgruppe von Florentine) und eine Kritik des Outcalls (von mehreren Frauen* und Freundinnen geschrieben). Beide Texte sind unten verlinkt. Auf diese Texte kommen wir später zurück.

Warum haben wir den Text von Florentine veröffentlicht?

Nach kurzer inhaltlicher Absprache haben wir uns dazu entschlossen, diesen Text zu veröffentlichen, weil wir es wichtig finden, dass Personen, egal, ob anonym oder nicht, die Möglichkeit haben, sich Gehör zu verschaffen. Gerade wenn es um sexualisierte und/oder patriarchale Gewalt geht, sind die Möglichkeiten des Kund-Tuns leider sehr begrenzt und das steht im harten Widerspruch zu seiner gesellschaftlichen und linksradikalen Präsenz. Wir finden es unglaublich gut, dass in den letzten Jahren trotz schwieriger Umstände mehr Fokus auf diese notwendige Debatte gekommen ist. Dies geht zurück auf die resilenten Initiativen von FLINTA*- Personen und deren Supporter*innen, die mit viel Gegenwind, Frust, Ausschluss und im schlimmsten Fall Retraumatisierung zu kämpfen hatten und haben.
Outcalls stehen zusätzlich nicht selten durch reflexhafte Reaktionen in einem geflippten Rechtfertigungsdruck: Statt Zuspruch, Unterstützung, Solidarität oder auch nur wahrgenommen zu werden, endet ein mutiger Schritt, der oftmals der letzter Schritt in einer Kette zuvor gegangener Schritte ist, in einer Position der Defensive. Unsere Rücknahme bediente hierbei (ungewollt) ähnliche Mechanismen.

Wir als Plattform tragen eine Verantwortung bei den Veröffentlichungen, denn Texte müssen auf tumulte freigeschaltet werden. Diese Verantwortung ist zugleich eine Machtposition, die wir nicht besitzen wollen, sie zugleich aber ausfüllen müssen, wenn wir diese Plattform betreiben wollen. Wir versuchen dem entgegenzuwirken, indem wir (unregelmäßig) einen Transparenzbericht veröffentlichen. Darin erklären wir, warum wir Texte nicht veröffentlicht haben. Das heißt in der Konsequenz, dass wir uns ggf. rechtfertigen müssen und auch die berechtigten Adressat*innen von Kritik sein können.
Nicht, weil wir die entsprechenden Texte verfassen, sondern weil wir sie freischalten (oder eben nicht). Und wenn wir an dieser Stelle ehrlich mit uns selbst sind, dann waren wir sowohl mit der Geschwindigkeit und der Dynamik des Entscheiden-Müssens in diesem Outcall-Fall in Teilen überfordert. Es ist nicht immer leicht mit allen Entscheidungen zu treffen: Zeit, Konsens, Unsicherheiten etc. Wir haben Fehler in der Debatte um Henning gemacht.

Detailierterer Blick auf den Ablauf der Ereignisse

Im Zuge des Outcalls von Florentine erreichte uns eine Mail, die die sofortige Rücknahme der Veröffentlichung einforderte und darüberhinaus eine Entschuldigung unsererseits. Wir haben daraufhin den Text “erstmal” wieder vom Blog genommen, da zugegebenerweise, wir durch die extrem vorwurfsvolle Mail verunsichert waren, ob es richtig war, den Text veröffentlicht zu haben. Dennoch, und das formulieren wir explizit als Selbstkritik, haben wir uns stark verunsichern lassen durch die Kombination der Höhe der Vorwürfe in der Mail und eigener Zweifel bzw. Bedenken. Im Ergebnis verschwand der Outcall vom Blog, damit wir uns Zeit nehmen konnten, unsere Gedanken zu ordnen und diese Stellungnahme zu schreiben. Wir wollen die zahlreichen Vorwürfe der Mail nicht wiedergeben, denn hier geht es nicht um unseren Mailverkehr, sondern uns stattdessen mit zwei der formulierten Argumenten inhaltlich beschäftigen, die wir innerhalb der Debatte als wichtig empfinden.

Argumente der Mail

1. Das unkritische Zulassen anonymer Veröffentlichungen ist Lynchjustiz.

Das Argument der Lynchjustiz ist ein bekanntes Verteidigungsmuster für Täterschutz. Es stellt in Abrede, dass eine betroffene Person selber handeln darf - mehr noch! Vielmehr wird durch die fragwürdige Referenz zum historischen Kontext (Mord an Schwarzen Menschen bspw. durch Bürgerwehren Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts) ein maximales Unrecht suggeriert. Und zugleich, das ist nicht weniger problematisch, wird zwischen Täter und ermordeten Personen, eine Analogie gezogen, die besagt, nur dadurch, dass ich ich bin, werde ich jetzt bestraft. Ich kann nichts dafür! Und das ist einfach määäh. Eine Person, der vorgeworfen wird, Gewalt auszuüben/ausgeübt zu haben, ist weder reflexhaft zu verteidigen noch soll/wird sie umgebracht.
Ja, es werden Menschen auch fälschlicherweise beschuldigt und das ist in jedem Fall gleichermaßen traurig, schmerzhaft und richtig scheiße. Doch können diese Einzelfälle (es tut uns leid, wir haben hier gerade kein besseres Wort) kein Argument sein gegen die strukturelle Berechtigung von Outcalls im Allgemeinen. Für uns sind sie das Ergebnis eines langen Prozesses, der wohl überlegt ist, und oftmals die einzige Möglichkeit wieder Selbstwirksamkeit und Handlungsmöglichkeiten zu erlangen und gleichzeitig andere vor Gefahren zu schützen.
Outcalls sind selten in einem kontextlosen Raum verortet. Das ist insbesondere wahr im Fall von Henning. Florentines Text erhebt die schwersten Vorwürfe, doch existierten bereits diverse weitere schwere Vorwürfe gegen Henning als auch gegen andere Typen aus dem Gym (Darauf gehen wir später weiter ein). Wir denken, dass es außerdem wichtig ist, hier eindeutig zu betonen: In diesem Fall gab es Kontext, sehr viel Kontext, doch lässt sich daraus kein allgemeiner Umkehrschluss ableiten. Nur weil Kontext fehlt, wird dadurch nicht ein Outcall an sich in Frage gestellt. Gewalt wird in unterschiedlichen Räumen und Modi ausgeübt: Für viele wahrnehmbar, für einige wahrnehmbar oder kaum wahrnehmbar im Privaten.

2. Keine glaubhafte Prüfung, ohne jegliche Rechtsprechung oder Beweislast das sind Methoden anderer politischer Kräfte!

Wir machen Fehler, ständig, nichtzuletzt auch dadurch, dass wir uns bewegen. Im Bewegen entstehen aber auch so viele gute Ideen, Ansätze und Handlungen und eine davon ist Definitionsmacht. Wenn wir den Vorwurf bewusst ironisch verdrehen, dann ist Definitionsmacht tatsächlich eine Methode anderer politischer Kräfte. Einer politischen Bewegung oder Kraft, die als erstes den Aussagen von Betroffenen sowohl Gehör als auch Glaubwürdigkeit zukommen lässt. Ja, das finden wir richtig und wichtig und wollen Teil davon sein und nicht mit Scheuklappen dem Fetisch einer patriarchalen Rechtssprechung hinterherlaufen. Dass es in manchen Fällen vielleicht sinnvoll erscheinen mag, auch darauf zurückzugreifen, ist eine subjektive Entscheidung der Betroffenen, doch ist es nicht die Bedingung, Gewalt erst nach einem langen, kräftezehrenden und ggf. retraumatisierenden Prozess und dem Urteil erst als Gewalt benennen zu dürfen.
Im postfaktischen Zeitalter die Orientierung nicht zu verlieren, fällt uns auch nicht leicht: in vielen Bereichen ist es sinnvoll sich an Fakten zu halten, Belege einzufordern etc., doch bleibt die Definition von erlebter Gewalt davon für uns unberührt!

Versuch einer Zusammenführung von Kritik-Mail und der Kritik des Outcalls

Was wir bedenklich finden, ist, dass sowohl in der Mail an uns als auch in dem Statement der Freund*innen von Henning die Möglichkeit von Übergriffen bzw. patriarchaler Gewalt ausgeblendet wird und gleichermaßen das Vorgehen des Outcalls als schädlich für feministische Politik benannt wird. Leute! Da stehen Vorwürfe im Raum und die werden einfach mit eigenen, sicherlich zutreffenden Erfahrungen überschrieben. Eure Erfahrungen sind eure Erfahrungen und nicht der Goldstandard. Das fühlt sich für uns nach Nebelkerzen an. Uns ist rätselhaft, warum es gänzlich unerwähnt bleibt, dass es bereits im März ein Outcall gab [https:// tumulte.org/2026/03/articles/outcall-grapplestrike/] gegen Henning Bode, Jan-Ole Röbbeling und Arne Schlichting gab (Inhaber, Trainer, Trainierender bei Grapple und Strike), was durch die ausschließliche Bezugnahme auf Henning als “liebenswert” etc. völlig vom Tisch gewischt wird. Unsere Lesart ist, dass hier eine Verhärtung stattfindet, die nur bedingungslosen Zuspruch formulieren kann und letztlich (reflexhaften) Täterschutz betreibt. Das finden wir nicht hinnehmbar und ist einem emanzipatorischen Anspruch niemals angemessen. Wir können es dabei sehr gut verstehen, dass es richtig beschissen ist, eine nahestehende Person mit solchen Vorwürfen zu konfrontieren bzw. einen Umgang damit zu finden, der sich nicht abwendet von den entsprechenden Vorwürfen. Ein Kommentar unter der Kritik des Outcalls fasst unsere Position diesbezüglich gut zusammen:

“Gegen Personen aus dem Umfeld des Gyms stehen schwere Vorwürfe im Raum – und eure erste Reaktion ist reflexartiges Leugnen? Wer Ende der 80er/ Anfang der 90er politisch sozialisiert wurde, sollte das Prinzip der Definitionsmacht eigentlich verstanden haben.
Statt das Verhalten dieser Cis-Typen kritisch zu hinterfragen, betreibt ihr – genau wie das Gym – eine Täter-Opfer-Umkehr und schützt damit womöglich Täter. Man kann Menschen noch so gut kennen: Männer sind potenziell immer Täter. Es wäre weitaus solidarischer gegenüber den betroffenen FLINTA*-Personen gewesen, den Betroffenen zuzuhören, anstatt die Aussagen mehrerer Personen sofort anzuzweifeln.”

Wie weiter?

Tumulte ist keine gute Plattform für Debatten, die einen schnellen Schlagabtausch wünschen oder erfordern. Dafür sind andere Plattformen sehr viel effizienter gestaltet. Tumulte ist hingegen gut dafür geeignet, Debatten zu dokumentieren, die sich nicht nur über Kurznachricht und Kommentare ausdrücken.

Wir haben uns entschlossen die angesprochenen Texte in einem gesammelteten Thread zu veröffentlichen. Wir sind uns bewusst, dass dies ein Umgang ist, der von unterschiedlichen Seiten kritisierbar ist. Wir haben uns mit diesem Text positioniert und die Frage ist daher berechtigt, warum wir die Kritik des Outcalls hier ebenfalls veröffentlichen. Unsere damit verbundene Hoffnung ist, dass wir (wir, die Moderator*innen, wir, die Bewegung, wir, die Zufalls-Leser*innen) daran lernen. Lernen was solidarisches Verhalten ist oder sein kann, was es nicht ist und was vor allem (diskursiver) Täterschutz ist, denn das geben die Texte in unsere Lesart gut her. Wir wissen, dass dieser Text Unwohlsein, Unverständnis und Kritik hervorrufen wird und anschließende Reaktionen wiederum Antworten von uns einfordern. Wir werden dem leider nur begrenzt nachkommen können. Sind aber selbstverständlich ansprechbar für Kritik.

Zuküftiger Umgang

Wir haben es bereits in früheren Transparenzberichten gesagt und stehen auch weiterhin dazu: im Zweifel werden wir Artikel nicht, oder voerst nicht veröffentlichen und uns Zeit lassen eine Antwort zu finden, mit der wir uns gut fühlen. Wir wissen, das dieser Umgang oft der Dringlichkeit von Texten, wie in diesem Fall, nicht gerecht wird. Wir haben aber auch kein Tool oder keinen Weg gefunden diesen Widerspruch besser aufzulösen.

Mit solidarischen Grüßen,

tumulte.org
*Links zu den Beiträgen:*

https://de.indymedia.org/node/739062 : Stellungnahme gegen die Verleumdung von Henning
https://de.indymedia.org/node/739321 : Solidarität mit Florentine - Stellungnahme zu den Vorwürfen gegen Henning

Dokumentation der Artikel

Outcall Henning Bode Grapple&Strike Bremen

[Content/Trigger-Warnung: sexualisierte Gewalt, Gewalt, Folter]

Ermutigt durch den Grapple&Strike Outcall (zum Nachlesen hier: https://de.indymedia.org/node/713430) habe ich mich nach langer Zeit dazu entschlossen zu veröffentlichen, was Jan Henning Bode (im Folgenden nur Henning) getan hat und werde nicht länger schweigen. 

Henning ist unter anderem in Bremen als Kampfsporttrainer und Inhaber von Grapple&Strike, Referent an der Universität Bremen und als Security tätig.  

In den 90er Jahren hatte ich eine kurze Beziehung mit Henning und habe schwerste Gewalt durch ihn erfahren. Was mit Schlägen begann, endete Wochen später damit, dass er mich so heftig trat, dass ich durch den Flur flog, bewusstlos wurde und mir schwere Kopfverletzungen zuzog. Das war der Beginn von mehreren Tagen, während denen er mich in der Wohnung einschloss und nicht gehen ließ. Er hat mich immer wieder geschlagen, getreten, gefoltert und vergewaltigt. Er hat u.a.  Zigaretten auf meinem Körper ausgedrückt, meinen Kopf unter Wasser gehalten und vieles mehr. Wenn ich mich zu sehr wehrte, hat er mich gezwungen, hochprozentigen Alkohol zu trinken. Während dieser Tage und danach hat er massiv mit Gewalt gegen mich und mir nahestehende Personen gedroht, falls ich jemals etwas darüber erzählen sollte. Als Folge dieser schwersten sexuellen und körperlichen Gewalt war ich anschließend länger im Krankenhaus, davon mehrere Tage auf der Intensivstation. Die physischen und psychischen Folgen begleiten mich bis heute. Ich habe Jahrzehnte und viel Therapie gebraucht, um darüber sprechen zu können und habe mich massiv eingeschränkt und Städte und Orte gemieden, an denen er sich aufhalten könnte. Damit ist jetzt Schluss! Ich werde nicht länger schweigen und hole mir meine Räume zurück!

Aus Sicherheitsgründen möchte ich anonym bleiben und bitte alle Personen, die zu Henning in Kontakt standen und stehen, keine Informationen an ihn weiter zu geben. 

Kontakt für weitere Betroffene:  powertoflorentine@proton.me

Stellungnahme gegen die Verleumdung von Henning

Wir sind Frauen, die sich Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahren politisiert haben und seither und bis heute in den verschiedensten Projekten, Gruppen und Organisierungen linke Politik machen. Wir lehnen die Vorwürfe des anonymen, auf Indymedia veröffentlichten Schreibens gegen Henning mit aller Entschiedenheit ab.

Stellungnahme gegen die Verleumdung von Henning

Wir sind Frauen, die sich Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahren politisiert haben und seither und bis heute in den verschiedensten Projekten, Gruppen und Organisierungen linke Politik machen. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen haben wir selbst, aber auch als gesellschaftliches Gewaltverhältnis erlebt. Der Kampf gegen das Patriarchat, mit all seinen Macht- und Gewaltformen, ist prägend für uns als Individuen mit unserer persönlichen Geschichte, selbstredend aber auch in unserem politischen Handeln und Denken.
Wir sind Frauen, die Henning seit Anfang der 1990er Jahre kennen, in Freundschaften und in Beziehungen mit ihm in dieser Zeit waren und sind, bis heute. Wir kennen Henning als liebenswerten, solidarischen, widerstreitenden, aufrechten Mann; als Freund, als Genossen, der uns in allen
Widersprüchen, Schwierigkeiten, Rückschlägen und den wenigen Erfolgen in unseren Kämpfen unterstützt und begleitet hat.
Wir lehnen die Vorwürfe des anonymen, auf Indymedia veröffentlichten und mittlerweile auf verschiedenen Social-Media-Kanälen geteilten Schreibens gegen Henning mit aller Entschiedenheit und aller Entschlossenheit ab. Wir warnen vor der Gefährlichkeit der Wirkung des Textes und den Folgen seiner Weiterverbreitung. Wir haben es hier nicht mit von Henning begangenen Gewaltexzessen gegen eine Frau zu tun, sondern mit einer schwerwiegenden Verleumdung und dem Rufmord seiner Person.

Warum bewerten wir diesen anonymen Post als Verleumdung?

Wir kennen Hennings Geschichte in den gesamten 1990er Jahren. Er war darin unser Wegbegleiter und ist es noch, wir sprechen hier über unsere eigene Geschichte. Manche von uns waren mit ihm über Jahre in Liebesbeziehungen - auch in den besagten 1990er Jahren. Wir alle sind nicht nur
miteinander, sondern auch mit vielen anderen Genoss*innen aus dieser Zeit in engem Austausch und sind uns völlig einig: Die beschriebenen Formen der extremen, sexualisierten Gewalt, der Lust am Quälen und Foltern und des Sadismus sind keine Verhaltensmuster, die bei einem Menschen punktuell und einmalig auftreten. In all der Zeit, in der wir Henning kennen, hat keine von uns diese Formen der Gewalt auch nur ansatzweise bei ihm beobachtet oder (mit)erlebt.
Betrachten wir die Anschuldigungen genauer, scheint aber auch der Text in sich widersinnig: Gehen wir einen Moment davon aus, dass die beschriebenen, schweren Gewalttaten gegen eine Frau tatsächlich stimmen. Gehen wir davon aus, dass eine Frau mit einer massiven Kopfverletzung und frischen Brandwunden auf der Intensivstation eingeliefert wird – mit sofortiger Wirkung wären strafrechtliche Maßnahmen eingeleitet worden. Therapeut*innen unterliegen der Meldepflicht, wenn potentiell auch Anderen schwere Gewalttaten von einem Täter drohen. Auch der Verweis auf die
Notwendigkeit der Anonymität der schreibenden Person „aus Sicherheitsgründen“ macht keinen Sinn – in einem Fall wie dem beschriebenen würde der Täter doch sein Opfer kennen und wissen, um wen es sich handelt?
Wir sind erschüttert über die Wahl der Mittel, mit dem ein Freund und Genosse persönlich, aber auch beruflich zerstört werden soll.
Damit nicht genug. Was hier zugleich passiert, ist die Instrumentalisierung der Geschichte von Frauen, die tatsächliche sexualisierte Gewalt erfahren haben. In diesem Schreiben wird die reale Gewalt gegen Frauen, die wir als kämpfende, linke Frauen auf allen Ebenen nur zu gut kennen, benutzt als emotionales Schmiermittel, um Empörung und Ausschluss hervorzurufen. Es scheint, als würde ein anonymes, unverifiziertes Schreiben, das von Nazis oder irgendwem geschrieben worden sein könnte, ausreichen, um Menschen dazu zu bringen, ungeprüfte Behauptungen zu glauben und mit einer ungeheuren Wirkmacht weiterzuverbreiten. Dies macht das Leben eines Genossen kaputt.
Wir wissen, dass nicht alle Opfer sexualisierter Gewalt die Kraft haben, sich persönlich der Öffentlichkeit zu stellen wie es so mutige Frauen wie Gisèle Pelicot oder Collien Fernandes getan haben. Wir halten es aber bei anonymisierten, konkreten Vorwürfen für notwendig, dass es nterstützungsstrukturen gibt, die ansprechbar sind und die die Echtheit der Person beglaubigen können.
So stehen wir hier als echte Personen, wir stehen hier mit unserem Namen ein. Wir sind ansprechbar.
• Wir weisen die Vorwürfe zurück und lehnen die persönliche, politische und berufliche Zerstörung unseres Freundes und Genossen Henning ab.

• Wir kritisieren die Instrumentalisierung von (sexualisierten) Gewaltverhältnissen gegen Frauen, um einem Einzelnen Schaden zuzufügen aufs Schärfste. Sie wird es in Zukunft Opfern sexualisierter Gewalt noch schwerer machen, Gehör und Glauben zu finden.

• Wir fordern alle, die wissen, wer sich solcher Mittel bedient, zur restlosen Aufklärung dieser Verleumdung auf.

Anna, Claudia, Kathi, Kathrin, Sabine, Sophia und weitere Freundinnen

Solidarität mit Florentine - Stellungnahme zu den Vorwürfen gegen Henning

Hallo zusammen,

viele von euch haben die Vorwürfe gegenüber Grapple& Strike und explizit gegenüber Henning bestimmt mitbekommen. Es gab zwei Outcalls, von denen der zweite mittlerweile von indymedia (aus uns unbekannten Gründen) entfernt wurde.

Achtung Triggerwarnung: es geht um massive körperliche, psychische und sexualisierte Gewalterfahrungen

1. Outcall:
https://de.indymedia.org/node/713430

2. Outcall:
https://tumulte.org/2026/05/articles/outcall-henning-bode-grapplestrike-…

Heute wurde auf indymedia ein Statement von Freundinnen von Henning gegen seine “Verleumdung” veröffentlicht, in dem die massiven Gewalterfahrungen der betroffenen Person des 2. Outcalls geleugnet und Täterschutz betrieben wird. Die betroffene Person hat dazu auf Indymedia Stellung bezogen:

https://de.indymedia.org/node/739062

Da es aus Unterstützer*innenkreisen zu allen Betroffenen Kontakt gibt, gibt es keinen Zweifel an der Echtheit der Aussagen. Wir positionieren uns solidarisch an der Seite von Florentine, wie an der Seite aller weiteren Betroffenen!

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Weil es möglich ist, dass er schnell gelöscht wird, hier der Kommentar von Florentine unter dem Indymedia Beitrag:

Von: Florentine am: 29.05. - 12:52

Das ist kein Fake und weder Nazis, noch Verfassungsschutz, noch Konkurrenz stehen dahinter. Ich existiere und was ich sage stimmt. Ich kann nachvollziehen, dass die Anonymität ein großes Problem ist und auch, dass eure Erfahrungen mit Henning euch das nicht glauben lassen. Aber, dass ihr das öffentlich macht, ist das Unsolidarischste und Unfeministischste, was ich jemals in dem Kontext erlebt habe. Ich habe mit Vielem gerechnet, aber nicht, dass mir linke Frauen aus Zusammenhängen aus denen ich auch komme, derart in den Rücken fallen. Eure Erfahrungen sind genau das, nämlich nur eure Erfahrungen, die ihr hier extrem idealisiert schildert. Das sagt nichts über meine Erfahrungen aus. Und ja, in einem Punkt gebe ich euch Recht, er wird es nicht nur einmal getan haben. Viele “Monster” waren und sind zu 99 Prozent ihres Umfeldes völlig unauffällig. Aber ich erkläre euch hier keine Täterprofile. Ihr zwingt mich mit eurem Statement in die Öffentlichkeit, denn ich weiß nicht, wie ich sonst meine Glaubwürdigkeit beweisen kann.

Ich muss mich hier für nichts rechtfertigen, aber
1. Das Krankenhaus hat mich gefragt, ob ich Anzeige erstatten möchte. Aus nachvollziehbaren Gründen, wollte ich das nicht. Ja, sie hätten das von sich aus machen müssen, haben sie aber nicht. Warum, weiß ich nicht. Vielleicht, weil ich eine Alkoholvergiftung hatte und das, wie leider immer noch oft üblich, dann einfach unter “normaler Gewalt im Alkmilieu” abgestempelt wurde? Weil sie einfach versagt haben?
2. Therapie hab ich erst viel später angefangen. Da war die Gefahr für Andere lange vorbei, weil keinerlei Kontakt mehr bestand.
3. Natürlich weiß er, wer ich bin. Trotzdem will ich meinen Namen nicht öffentlich zur Diskussion stellen. Das fängt doch jetzt schon an. Im Moment wird die Anonymität vorgeschoben, aber sobald mein Name öffentlich ist, werde ich persönlich zerrissen. Vielleicht hatte ich dann ja einen zu kurzen Rock an….