23. Februar 2026
Überwachung in Bremen: KI statt Schaffnerblick
Bremer Trams überwachen mit Verhaltenserkennung
Seit April 2025 läuft in Bremer Straßenbahnen ein System namens »AI Watch« im Probebetrieb. Es wertet Videobilder aus dem Fahrzeuginnenraum mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) aus. Künftig werden die Aufnahmen wie geplant auch in Echtzeit an eine Leitstelle übertragen. Das machte die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) vergangene Woche bekannt. Bis Ende 2026 soll ein Drittel der Tram-Flotte damit ausgestattet sein.
Bremen ist damit bundesweit Vorreiter für eine KI-gestützte Verhaltenserkennung im Nahverkehr. Bislang gibt es derartige Pilotprojekte nur in Hamburg, wo der Hansaplatz entsprechend überwacht wird, und in Frankfurt am Main, wo 50 Kameras im Bahnhofsviertel mit KI ausgerüstet wurden. Anders als in Hamburg und Bremen läuft das Frankfurter System mit Gesichtserkennung.
Das Bremer »AI Watch« hat die BSAG mit dem ebenfalls in der Hansestadt ansässigen Unternehmen Just Add AI entwickelt. Dessen Schwerpunkt liegt eigentlich auf Technologien für Industrie, Verkehr und Gesundheitswesen. Im Bereich der Überwachung bietet die Firma aber auch die Objekt- und Anomalieerkennung an.
Im Normalbetrieb arbeitet »AI Watch« nach Angaben der BSAG auf einem fahrzeuginternen Computer, ohne Daten nach außen zu übertragen. Die Videobilder werden demnach für 72 Stunden auf einer Festplatte in der Tram gespeichert. Wenn die Software eine potenzielle Gefahrensituation erkennt – etwa Handgreiflichkeiten oder aggressives Verhalten –, werden die Bilder live, aber mit verpixelten Gesichtern der Fahrgäste in die Leitstelle der BSAG übertragen. Dort entscheidet das Personal, wie auf die Situation reagiert werden soll.
Trainiert wurde das System mit eigens nachgestellten Szenen und vier Stunden Videomaterial. Die Gesamtkosten für Entwicklung und Einbau in einem Drittel der Straßenbahnflotte belaufen sich auf rund 500 000 Euro – also rund 12 000 Euro pro Fahrzeug. Das Bundesministerium für Verkehr fördert das Projekt zu 80 Prozent aus dem Programm »Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme«.
Bremens Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung, Özlem Ünsal (SPD), lobte das Projekt als technologische Antwort auf »Anfeindungen oder sogar Gewalt« gegen Fahrgäste und Mitarbeitende im Nahverkehr. Die Erfahrungen aus Bremen würden auch international nachgefragt. Laut BSAG-Technikvorstand Thorsten Harder gebe es aus dem Fahrdienst ebenfalls »viele positive Rückmeldungen darauf«.
In der Pressemitteilung der BSAG gibt es keine Angaben dazu, wie oft das System in der Testphase Alarm schlug, ohne dass eine reale Bedrohung vorlag.