Silvester am Knast – Free them all!



Mit massig Pyro und lauten Rufen waren wir am Silvesterabend bei der JVA Oslebshausen um den Inhaftierten Kraft zu geben und die Isolation an einem Abend zu durchbrechen.


Mit massig Pyro und lauten Rufen versammelten wir uns am Silvesterabend bei der JVA Bremen Oslebshausen um den Inhaftierten Kraft zu geben und die Isolation zumindest an einem Abend zu durchbrechen.

In den Knast kommen Menschen dann, wenn sie gegen „unsere“ Gesetze verstoßen, so heißt es. Diese Gesetze als die unsrigen zu bezeichnen kann jedoch höchstens zynisch gemeint sein. Es ist ein schlecht gehütetes Geheimnis, dass die Regierungen Gesetze für den Erhalt des Reichtums und der Macht einer kleinen Elite machen. Wie sollte es auch anders sein, wenn stets die reichsten unserer Gesellschaft zu Staatsoberhäuptern werden? Die Bereicherung dieser Menschen ist für die Regierungen Grund genug um Genozide zu unterstützen und unsere Umwelt zu zerstören. Doch gegen diese Verbrechen gibt es kein Gesetz. Mit Abstand die meisten „Verbrechen“ die zu Haftstrafen führen gibt es für Diebstahl und Drogendelikte. Beides sind klare Folgen von Armut und Ausgrenzung. Uns wird gesagt, dass diese Menschen gefährlich sind und die Haft sie abschrecken wird und sie dort die Möglichkeit kriegen sich zu „rehabilitieren“. Diese Begründung ist nicht mehr als ein schlechter Witz. Mehr als zwei Drittel der Inhaftierten sind Wiederholungstäter. Ein Knastaufenthalt macht es nur schwerer einen zweiten zu vermeiden. Wie auch soll es helfen, Menschen gewaltvoll aus ihrem Umfeld zu ziehen, sie regelrecht von ihren Freund:innen und Familien zu isolieren. Knast dient dazu, uns zu brechen. Jegliche Hoffnung auf Besserung soll ausgemerzt werden, wir sollen dadurch endlich unseren Platz akzeptieren.

Wenn Menschen ihre Stimme gegen solche Ungerechtigkeiten erheben ist die Antwort des Staates wieder dieselbe: Knast. So erging es auch unseren Freunden Kadri Saka und Özgur Aydin.

Özgür Aydin ist ein Aktivist der kurdischen Freiheitsbewegung. Seine Familie lebte früher in Dersim (Nordkurdistan). Nach einem Kurdischen Aufstand massakrierte dort die türkische Armee tausende Menschen. Özgürs Familie floh daraufhin nach Istanbul. Das Massaker und die Unterdrückung der kurdischen Kultur politisieren ihn und als junger Erwachsener zieht er mit einigen Freunden in die Berge Kurdistans um sich der PKK anzuschließen. Für diese Entscheidung folterte ihn der türkische Staat und legte ihm 5 Jahre Haft auf. Daraufhin flieht er nach Deutschland. Doch auch hier geht die Repression für seinen Aktivismus weiter, 2022 wird er verhaftet und in Isolationshaft gesteckt. 2023 wurde er dann unter dem Paragraphen 129a/b (Mitgliedschaft einer terroristischen Vereinigung/im Ausland) zu 5 Jahren Haft verurteilt. Diese sitzt er derzeit in der JVA Oslebshausen ab. Vor eingen Wochen schrieb er einen Brief aus der Haft, den er mit diesen Worten beendete:

Aus dieser kleinen Zelle sende ich eine herzliche Umarmung an alle Weggefährt:innen und an unser Volk!

Kadri Saka lebt seit mehr als 34 Jahren in Bremen und fühlt sich hier auch zu Hause, er hat 8 Kinder und ist schon lange in der Kurdischen Freiheitsbewegung aktiv. Er wuchs in der kurdischen Provinz Şirnex (Nordkurdistan) auf. Dort prägte ihn unweigerlich die extreme Gewalt, der die kurdische Bevölkerung in Nordkurdistan ausgesetzt ist. Ein Bruder seines Großvaters wurde enthauptet, sein Vater von der Polizei verschleppt und gefoltert. Beim Militärputsch 1980 bekam Kadri diese Gewalt mit eigenen Augen zu sehen. Sein Bruder war der Guerilla nahe und wurde mehrfach verhaftet. In Kadris 20ern entstanden Kontakte zur Guerilla, in seinem Dorf war das Miteinander alltäglich. In den 90ern beantragte Kadri dann gemeinsam mit seinem Bruder in Deutschland Asyl. Kadri wurde im Januar 2024 in Huckelriede festgenommen, gleichzeitig wurde auch der Kurdische Verein Birati durchsucht. Daraufhin saß er 10 Monate in erschwerter U-Haft in Holstenglacis (Hamburg), nach seiner Festnahme befand sich Kadri mehr als einen Monat lang im Hungerstreik. Letzten November wurde er dann auf Basis des Paragraphen 129a/b zu 2 Jahren verurteilt. Derzeit sitzt er in der JVA Oslebshausen ein.

Wir senden den Gefangenen in der JVA Oslebshausen Kraft und stehen in voller Solidarität zu ihnen!

Biji Berxwedana Zindana!

Free all Prisoners!

Auf ein neues Jahr der Kämpfe!

Wir haben Alternativen; lebendig, vielfältig und voller Farbe. Es liegt an uns, sie sichtbar zu machen und mit Leben zu füllen. - Özgür Aydin