Bundeswehr prüft Bremerhaven als möglichen Standort für Marinehafen



Offenbar ist der Standort rund um den Blexer Bogen eine Option in den Planungen der Bundeswehr. Hochrangige Entscheider sollen den Ort bereits begutachtet haben.


[gestohlen von: https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/marinehafen-bremerhaven-bundeswehr-verteidigung-100.html]

Nach buten un binnen-Informationen soll Bremerhaven ein heißer Kandidat für einen neuen Marinehafen der Bundeswehr sein. Dabei wird offenbar vor allem auf das Gebiet rund um den Blexer Bogen geschaut. Ende des Jahres waren demnach hochrangige Entscheider der Marine vor Ort, um sich ein ganz konkretes Bild von den hiesigen Gegebenheiten zu machen. Auf Bremer Seite soll das Projekt federführend vom Rathaus vorangetrieben werden.

Nach Informationen von buten un binnen würde der Hafen nicht mit den 1,3 Milliarden Euro finanziert, die bereits für den militärischen Ausbau ausgegeben werden sollen. Mit diesem Geld sollen vorrangig Ertüchtigung und Ausbau der bereits bestehenden Hafenanlagen in Bremerhaven vorangetrieben werden. Mit dem Ziel, dass diese Infrastruktur auch weiterhin vor allem militärischen Ansprüchen gerecht wird.

Ergänzung zu Marinehafen in Wilhelmshaven?

Der neue mögliche Hafen solle aber darüber hinaus die Präsenz der Deutschen Marine und der Nato-Partner in Nordsee und Atlantik stärken. Er sei außerdem als Ergänzung des wichtigen Marinehafens in Wilhelmshaven zu verstehen. Das hat buten un binnen aus Politik und Behördenkreisen erfahren.

Im Interview mit buten un binnen bestätigt der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages Thomas Röwekamp (CDU) zwar ausdrücklich nicht die Planungen für einen zusätzlichen Hafen in Bremerhaven. Er betont allerdings mit Blick auf die strategische Lage und die geopolitische Ausgangssituation, dass viel dafür spreche, dass “Bremerhaven ein ganz wesentlicher Standort für die Landes- und Bündnisverteidigung – für die Bundeswehr, aber auch für die Nato – sein wird.” Er ergänzt: “Der Hafen in Bremerhaven ist von enormer militärischer Bedeutung für die Nato. Für den Nachschub auch für eine mögliche Eskalation an der Ostflanke.”

Direkt auf den möglichen Standort am Blexer Bogen angesprochen, erklärt Röwekamp: “Die Marine sucht zurzeit für die zusätzlichen Kapazitäten, die wir in die Nato eingemeldet haben, auch neue Standorte.” Für Bremerhaven bedeute das aber zuallererst die Ertüchtigung der Infrastruktur für militärische Zwecke. Und schon das werde sicherheitspolitische Konsequenzen haben:  “Wir müssen auch die Seeseite des Hafens militärisch absichern. Und es kann auch dazu führen, dass wir zusätzliche militärische Kapazitäten in Bremerhaven brauchen, um den Schutz der Infrastruktur auch zukünftig sicherstellen zu können.”

Bremerhaven zentral für Nato-Umschlag

Auch die Vorsitzende des Sicherheits- und Verteidigungsausschusses des Europäischen Parlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), betont gegenüber buten un binnen die militärische Bedeutung Bremerhavens: “Die Nato hat drei Bewegungskorridore von Ost nach West gezeichnet. Die gehen alle durch Deutschland.” Deswegen sei Deutschland mit seinen Häfen zentral für Material- und Truppenverlegungen. Diese Einschätzung betreffe “mit Sicherheit auch Bremerhaven.”

Zusammen mit der Milliardenausgabe für die militärisch nutzbare Infrastruktur würde ein zusätzlicher Marinehafen Bremerhaven zu einem der wichtigsten Häfen für die Landesverteidigung, aber auch innerhalb der Nato für Nordeuropa machen.

Aus für Energy-Port?

Ein neuer Marinehafen am Blexer Bogen – das wäre vermutlich das Aus für den dort geplanten Energy-Port. Der Energy-Port soll eigentlich als Umschlagplatz für Offshore-Windenergie dienen. Allerdings halten viele Experten das Projekt ohnehin für gescheitert. Nicht zuletzt, weil es Anforderungen an den Naturschutz nicht gerecht werden könne. Diese Probleme hätte ein Marinehafen von nationalem Interesse eher nicht.

Wie weit die Planungen der Bundeswehr bislang sind, ist unklar. Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums kann weder bestätigen noch dementieren, dass Bremerhaven ein möglicher Standort für einen Marine-Hafen werden könnte. Aus dem Ministerium heißt es, dass die Marine durch die Vergrößerung der Streitkräfte auch mögliche neue maritime Standortoptionen prüft. Die Entscheidung über einen konkreten Standort sei aber noch nicht abgeschlossen.

Ein neuer Marinehafen – für Bremerhaven wäre das nicht nur aus Sicherheits- und Verteidigungssicht von großer Bedeutung. Der neue Hafen, mit allem was dazugehört – er könnte sich womöglich zu einem erheblichen Wirtschaftsfaktor für Bremerhaven entwickeln. Inklusive vieler neuer Arbeitsplätze. Auf Nachfrage erklärt Senatssprecher Christian Dohle dazu: “Ich bitte um Verständnis, dass der Senat sich zu Angelegenheiten der Landesverteidigung und zu möglichen militärischen Planungen nicht äußern wird.”