06. Oktober 2025 / update: 07. Oktober 2025
Interview mit nepalesische Anarchist*innen über den Sturz ihrer Regierung
Interview mit Black Book Distro aus Kathmandu
Übersetzung aus dem Englischen, zuerst veröffentlicht von crimethinc
Vorwort
Im September 2025 eskalierte eine Protestbewegung gegen Polizeigewalt in Nepal zu einem spontanen Aufstand und kulminierte im Niederbrennen des Parlaments, zahlreicher Regierungsgebäude, von Polizeistationen, Parteizentralen und Politiker‑Villen. Innerhalb von anderthalb Tagen floh Premierminister Khadga Prasad Oli und die Regierung brach zusammen. Einen Staat zu stürzen ist aber nur der erste Schritt eines viel längeren Kampfes; jetzt wetteifern Monarchist*innen, neoliberale und radikale Kräfte um Nepals Zukunft. Um das besser zu verstehen, haben wir die Black Book Distro (insta-Link), ein anarchistisches Kollektiv und eine Bibliothek in Kathmandu, interviewt.
Der Aufstand in Nepal gehört zu einer Reihe von Aufständen, die Asien in den letzten Jahren erschüttert haben. Wir können die Funken zurückverfolgen - zum Sturz des Präsidenten von Sri Lanka 2022, über den Aufstand in Bangladesch 2024 bis zum Aufstand in Indonesien im August 2025 – ganz zu schweigen vom anhaltenden Bürgerkrieg in Myanmar. Seit dem Fall der nepalesischen Regierung gibt es auch heftige Proteste auf den Philippinen. All das ist eine Reaktion auf massive wirtschaftliche Not und die Hohlen politischen Versprechen.
Dass institutionelle kommunistische Parteien an dem Massaker beteiligt waren, welches den Aufstand auslöste, sollte alle angehenden Revolutionär*innen daran erinnern, dass es unmöglich ist, die Probleme des Kapitalismus einfach mit staatlicher Gewalt zu lösen – selbst wenn das Wort „kommunistisch“ im Parteinamen steht. Die Herausforderungen, die der Kapitalismus für die Menschen schafft, erfordern radikalere Veränderungen, als sie mit Waffen der Polizei und politischen Vorschlägen innerhalb der Machtzentren erreicht werden können.
Auch Politiker*innen und Polizeikräfte weltweit sollten sich überlegen, ob sie wirklich glauben, sie könnten mit Straflosigkeit plündern und terrorisieren. Heute schützt ihr Geld sie vielleicht noch vor Konsequenzen – aber schon morgen kann alles möglich sein.
Keine dieser Revolten hat bisher all ihre Ziele erreicht, aber während Menschen weltweit gegen Oligarchie und staatliche Repression kämpfen, liefert jede von ihnen wertvolle Lehren.

from a social media comment: “Just a young man wearing the skin of the enemy.”
Interview
C: Stellt euer Projekt vor. Wer seid ihr und was macht ihr?
Wir sind Black Book Distro, ein anarchistisches Kollektiv und eine Bibliothek in Kathmandu, Nepal. Wir wollen Menschen durch Bildung über linke Geschichte radikalisieren und aktiv an populären Kämpfen und Bewegungen mitwirken, die mit unseren Zielen vereinbar sind (Gen‑Z‑Proteste, die Meter‑Byaj‑Bewegung¹, die Guthi‑Bewegung²). Wir sprechen als eine anarchistische Bewegung im Kontext der Unterdrückung durch ein gescheitertes und korruptes kommunistisches Regime und Kongress [Anm. d. Ü: die sozialdemokratische Partei Nepals].

Black Book Distro beim anarchistischen Zine Fest in Nepal
C:Gebt uns einen kurzen Überblick über soziale Bewegungen und Kämpfe in Nepal in den letzten ein‑ bis zwei Jahrzehnten. Was trieb die Unzufriedenheit der Leute an?
Nach der maoistischen Revolution³ hat Nepal Wellen sozialer, wirtschaftlicher, geografischer und politischer Umbrüche erlebt. Die wichtigsten Probleme sind Kasten‑Diskriminierung, die immer noch tief verwurzelt ist, eine tödliche Epidemie des Menschenhandels von Arbeitsmigrant*innen wegen fehlender Chancen im Heimatland, Grenzkonflikte mit den nuklear bewaffneten Nachbarn Indien und China sowie politische Korruption, die so dreist ist, dass monarchistische Strömungen wieder erstarken konnten.
Wichtige Proteste waren der Madhesh‑Kampf für Rechte und Würde⁴, die „Enough Is Enough“-Proteste gegen Korruption während der COVID‑Zeit, nationale Streitigkeiten um Grenzgebiete wie Lipulekh⁵, Dr. KC’s Hungerstreik für bessere Gesundheitsinfrastruktur⁶, Widerstand gegen räuberische Hypotheken und die Verteidigung des gemeinschaftlichen Landesbesitzes der Newar‑Gemeinschaft. All dies geschieht in einem sozialen Gefüge, das noch immer von Patriarchat, Kaste und Religion geprägt ist, während gleichzeitig Verfassungsreformen für Repräsentation, Meinungsfreiheit, wirtschaftliche Freiheit und Föderalismus laufen.
Die wichtigsten politischen Akteure sind Kongress, maoistische und marxistisch‑leninistische Parteien sowie königstreue Fraktionen. Außerdem gibt es unabhängige Jugendgruppen, linke Räume und indigene Gemeinschaften. Früher wurden die meisten Proteste von den großen Parteien geleitet, heute handeln spontane Jugend‑ und Basisinitiativen immer öfter eigenständig (wie der aktuelle „Gen‑Z‑Aufstand“).

“Scharfe Waffen wurden heute gegen Zivilist*innen eingesetzt, darunter Kinder. Wir waren an der front line. Wir sahen viele Menschen die erschossen wurden.”
C: Wie versteht ihr die Ziele der Leute an der Basis dieses Aufstands? Gibt es mehrere Strömungen mit unterschiedlichen bzw. widersprüchlichen Zielen?
Das aktuelle Gen‑Z‑Movement hat seine Wurzeln in der 2019 entstandenen Jugend‑Initiative „Enough Is Enough“, die soziale Gerechtigkeit und Umweltfragen während der COVID‑Krise in den Vordergrund stellte. Der Aufstand bestand aus vielen unabhängigen Jugendgruppen, unterstützt von normalen Bürger*innen, Liberalen und weit links stehenden Kreisen, ohne zentrale Führung. Seitdem hat die Regierung die Online‑Überwachung und totalitäre Niederschlagungen intensiviert, was die Bewegung weiter radikalisiert und an den Punkt gebracht hat, wo sie heute ist. Ihre Hauptforderungen sind Freiheit der Meinungsäußerung, Anti‑Korruptions‑Maßnahmen und volle Regierungs‑Rechenschaftspflicht – ohne Einbindung etablierter Parteien. Das tragische Massaker an friedlichen Protestierenden, darunter Studierende, die von der Philosophie der Anime-Serie “One Piece” inspiriert sind, entfachte eine breite Wut.

Die One Piece Flagge ist zu einem Symbol des Widerstand in Indonesien geworden
Der Aufstand war dezentral, spontan und kulminierte in Niederbrennen des Parlaments, den meisten Regierungsgebäuden, den Häusern von Politiker*innen, von Polizeistationen und Parteibüros. Binnen weniger als 35 Stunden war die Regierung gestürtzt. Innerhalb der Bewegung existieren diverse Strömungen: Monarchist*innen, die den König wieder auf den Thron setzen wollen, Zentrist*innen, die Einfluss in einer neuen neoliberalen Regierung suchen, und linksradikale, die echte Föderalität, Säkularität und inklusive Teilhabe marginalisierter Gruppen fordern. Dieses Spektrum spiegelt die komplexen Aspirationen und Spannungen innerhalb der Bewegung wider.
C: So wie wir es hier aus der Ferne verstehen, führten die Kommunist*innen in Nepal viele Jahre lang einen Widerstandskampf, bevor sie 2006 die Staatsmacht erlangten. Wir haben den Eindruck, dass interne Konflikte innerhalb der revolutionären Bewegung insgesamt zu einer Reihe von Kompromissen zwischen den Kommunisten und der nepalesischen herrschenden Klasse geführt haben. Wie haben sich diese Kompromisse auf die nepalesische Gesellschaft ausgewirkt, insbesondere auf die radikalen Basisbewegungen, die sich am Volkskampf beteiligt haben, sowie auf Gewerkschaften und andere Gruppen?
Der Erfolg des maoistischen Aufstands beruhte auf dem Widerstand gegen das Überbleibsel des Panchayat‑Systems – einer feudalen Agrarstruktur, die von oberen Kasten‑Eliten und der Monarchie unterstützt wurde und 1990 offiziell beendet war. Sobald die Maoisten jedoch an die Macht kamen, gingen viele ihrer Kader Kompromisse ein, um die Kontrolle zu behalten, und adaptierten kapitalistische Praktiken, die im Grunde das alte Unterdrückungs‑System reproduzierten. Diese Zugeständnisse haben ihre Glaubwürdigkeit bei den Massen stark beschädigt; heute gelten die Maoisten eher als korrupte Politiker, denn als Revolutionär*innen.
Gleichzeitig sind Menschenrechtsverletzungen durch Militär und Polizei weit verbreitet, während Gerechtigkeit für die Opfer weiterhin aussteht. Der beschädigte Ruf der linken Politik hat Raum für monarchistische Strömungen geschaffen; sogar die aktuelle Gen‑Z‑Bewegung schließt bewusst Parteien und Gewerkschaften aus, aus Angst, dass diese eigennützige Ziele verfolgen. Dies schützt zwar die Integrität der Bewegung, erschwert jedoch die Organisation tatsächlicher linksradikaler. Trotzdem entsteht das anarchistische Bewegung im Stillen, gewinnt an Akzeptanz und das obwohl sie sich gegen das Missverständnis wehren muss, dass Anarchismus gleichbedeutend mit Chaos ist.

Ein ausgebranntes Bullenauto am Patan Durbar Platz am 9. September 2025
C: Wie ist die regierenden Koalition entstanden? Wie verstehen ihr den Unterschied zwischen den beiden kommunistischen Parteien, und welche Rolle spielt die Kongresspartei in der Regierungskoalition?
Die Regierungskoalition entstand, um sich in einem fragmentierten Mehrparteiensystem nach dem Krieg eine parlamentarische Mehrheit zu sichern. Beide kommunistischen Parteien haben sich Korruption und kapitalistischen Praktiken verschrieben, wobei die UML (Kommunistische Partei Nepals (Vereinigte Marxisten-Leninisten)) derzeit die besser organisierte der beiden ist. Aufgrund ihres Missbrauchs kommunistischer Ideologien und ihrer korrupten Vergangenheit verliert die kommunistische Bewegung rapide an Boden, und Parteimitglieder werden oft verspottet, wenn sie sich auf ihre kommunistischen Identität berufen. Die Kongresspartei, die historisch gesehen eine wichtige Rolle bei der „offiziellen“ Beendigung des Rana-Regimes und des Panchayat-Systems gespielt hat, bleibt die führende neoliberale Kraft in der Regierung. Im Jahr 2008 bildeten die maoistische und die marxistisch-leninistische Partei ein Bündnis, um den Kongress zu überstimmen; 2024 schlossen sich Kongress und marxistisch-leninistische Partei zusammen, um die Maoist*innen zu überstimmen. Während sie einst ideologische Differenzen trennten, sind diese Unterschiede in den Augen der Bevölkerung fast vollständig verschwunden.
C: Sowohl Indien als auch China gehören dem mächtigen Industrie- und Handelsblock BRICS an. Wie wirkt sich die auf das alltägliche Leben in Nepal aus? Welche Gruppen wollen vom Sturz der nepalesischen Regierung profitieren?
Der Einfluss von BRICS auf das tägliche Leben nepalesischer Bürger ist bislang unklar und wird stark polarisiert diskutiert. Einige sehen in BRICS eine Chance, die US‑Hegemonie zu reduzieren; andere befürchten, dass damit chinesischer autoritärer Einfluss ausgedehnt wird. Die nepalesische Regierung beobachtet vorsichtig die sich entwickelnde Indien‑China‑Beziehung und hat noch keine Entscheidung über eine mögliche BRICS‑Teilnahme getroffen.
Welche Gruppen letztlich vom Regierungsumsturz profitieren, bleibt unsicher. Politische Entscheidungen in Nepal werden fast immer von Indiens Geheimdienst RAW [Research and Analysis Wing] und vermutlich auch von der CIA [Central Intelligence Agency] mitbestimmt. Zu den potenziellen Gefahren zählen monarchistische Fraktionen, die mit indischer Unterstützung und hindu‑nationalistischer Rhetorik an die Macht kommen könnten, sowie das Wiedererstarken alter politischer Eliten ohne substanzielle Reformen. Ein militärischer Putsch war zwar eine reale Bedrohung, hat sich jedoch nicht materialisiert.

Das nepalesische Parlament in Flammen am 9. September 2025.
Nepal, ein Binnenstaat, der sozial und wirtschaftlich von Indien abhängig ist, hat einige Veränderungen bei den chinesischen Investitionen erlebt, beispielsweise wurden Verbindungsautobahnen durch Nepal eröffnet. Während China und Indien ihre Rivalität verschärfen, wird Nepal, anders als andere Nationen, die an die geografischen Giganten grenzen, zu einem Schauplatz der Kontrolle und des Gleichgewichts…
Beide Mächte haben bislang einen offenen Konflikt vermieden und Nepal zu einem Schauplatz des geopolitischen Gleichgewichts zwischen Indien und China gemacht. Nepal, geografisch zwischen diesen beiden Atommächten eingeklemmt, hat nur begrenzte Möglichkeiten, sich ihrem endlosen Tauziehen zu widersetzen. Indiens Treibstoffblockade nach dem Erdbeben von 2015 war eindeutig ein Machtmanöver im Zusammenhang mit der Madhesi-Bewegung, welche Indien inoffiziell unterstützte. China übt Einfluss aus, indem es die nepalesische Regierung dazu drängt, Proteste im Zusammenhang mit Tibet zu kontrollieren. Kulturelle Bindungen und offene Grenzen verstärken den Einfluss Indiens, während chinesische Investitionen, wie beispielsweise Autobahnprojekte im Rahmen der Belt and Road Initiative, von der Bevölkerung allgemein als Chance für eine wirtschaftliche Unabhängigkeit von Indien begrüßt werden.
C: Viele westliche Linke betrachten die Beziehungen Nepals zu China und Indien – beides Handelspartner der USA und Israels, wobei China als geopolitischer Gegner der USA wahrgenommen wird – und kommen zu dem Schluss, dass die Aufstände in Nepal und Indonesien von der CIA unterstützte Farbrevolutionen sein müssen, die darauf abzielen, westlich orientierte Diktaturen zu installieren. Was haltet ihr davon?
Ausländische Einflüsse aus Indien, China und den USA sind zweifellos vorhanden, doch die Reduktion des Aufstands auf eine CIA‑gesteuerte Farbrevolution ignoriert die authentische Wut und die Opfer der nepalesischen Bevölkerung. Millionen Menschen haben das Parlament und Regierungsgebäude niedergebrannt – nicht weil externe oder interne Organisationen sie dazu befahlen, sondern weil jahrzehntelanges Versagen und Korruption das Vertrauen zerstört haben. Solche Etiketten delegitimieren die Solidarität mit ähnlichen Basis‑Bewegungen weltweit. Aktivist*innen aus Bangladesch, Indonesien und Sri Lanka feiern ihre Kämpfe gegenseitig, ohne sie als ausländische Intrigen abzutun. Wenn wir alle Aufstände als Farbrevolutionen abtun würden, würden wir auch die Arabischen‑Frühling oder Black Lives Matter als solche bezeichnen. Westliche Beobachter*innen sollten diese Kämpfe unterstützen, statt sie zu diskreditieren.
C: Welche Verbindungen seht ihr zwischen dem Aufstand in Nepal und den vorherigen Aufständen in Sri Lanka, Bangladesch und Indonesien? Wie haben diese die kollektive Vorstellungskraft beeinflusst? Was unterscheidet den nepalesischen Kontext von den anderen?
Gemeinsame Elemente aller Aufstände sind umfassende Korruption, Ausschluss von Teilen der Bevölkerung, patriarchale, kastische und religiöse Strukturen, die Macht konzentrieren, und starke ausländische Einflussnahme. Sri Lanka, Indonesien und Nepal teilen eine Geschichte kommunistischer Bewegungen und ihres schließlichen Scheiterns. Eine bemerkenswerte Verbindung zwischen Nepal und Indonesien ist die Präsens aktiver anarchistischer Bewegungen und der kulturelle Einfluss des Anime “One Piece”, der für die Jugend den Kampf gegen den Autoritarismus symbolisiert.
Der Unterschied zu Nepal liegt darin, dass dort die kommunistische Bewegung tatsächlich an die Macht kam – nur um später korrupt zu werden, ihre Versprechen zu enttäuschen und damit die kollektive Desillusionierung zu befeuern. In Indonesien und Sri Lanka scheiterte ein solcher kommunistischer Aufstieg von Anfang an.
C: Auf Basis euer aktuellen Erfahrungen in Nepal, was ratet ihr anderen, die in anderen Teilen der Welt Widerstand von unten leisten?
Effektiver Widerstand muss organisierte Bildung, Agitation und Vorbereitung auf spontane Massenaufstände miteinander verbinden. Es ist entscheidend, Menschen darauf vorzubereiten, gesellschaftliche Bewegungen in die richtige Richtung zu lenken, besonders um nach dem Kollaps der Regierung ein Machtvakuum zu verhindern, das kapitalistische Kräfte nutzen werden um die alte Ordnung wieder herzustellen. Die alten Eliten versuchen stets die Kontrolle zurückzugewinnen, aber die revolutionäre nepalesische Bevölkerung hat ihre Entschlossenheit bewiesen, Infrastruktur zerstört und die Machthabenden physisch konfrontiert.
Allerdings war der Aufstand nicht umfassend darauf vorbereitet was als nächstes passiert. Bisher haben wir uns vor allem auf Bildung und Protest konzentriert ohne uns Post-Kollaps Strukture vorzustellen. Unsere Empfehlung lautet, nicht nur den Aufstand zu planen, sondern auch nicht‑hierarchische Strukturen und den Wiederaufbau der Gesellschaft zu bedenken, sobald Regime fallen.
C: Was tun Anarchist*innen und anti‑authoritäre Gruppen in Nepal? Welche konkreten Dinge können wir tun um anarchistische und breitere anti-autoritäre Bemühungen in Nepal zu unterstützen?
Anarchist*innen und anti‑authoritäre Gruppen in Nepal organisieren Workshops, Vorträge, Filmvorführungen, Ausstellungen, Musikevents und direkte Aktionen auf der Straße. Die meisten Kollektive setzen auf Organisation ohne Hierarchie und fördern offene Dialoge, sogar mit kommunistischen Radikalen, die wirklich egalitäre Gesellschaften anstreben. Wir sind überzeugt: Solidarität innerhalb der linken Bewegung wird anhand von Handlungen, nicht nur von Ideologien, bewertet. Ihr könnt diese Bemühungen unterstützen, indem ihr das Bewusstsein für die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen schärft - mindestens 72 getötete Protestierende, viele davon Jugendliche - getötet weil sie das Ende von Korruption und Totalitarismus forderten. Die Verantwortlichen müssen unverzüglich zur Verantwortung gezogen werden.

Eine Nachricht vom 13. September 2025: „Diejenigen, die mit der Polizei zusammenarbeiten. Ihr vergesst, dass sie unsere Kinder getötet haben. Diejenigen, die sagen, dass Vandalismus, Brandstiftung und Plünderungen falsch sind. Ihr vergesst, dass dies das Ergebnis der kollektiven Wut ist, die seit mehr als 40 Jahren gegen dieses Regime herrscht. Dass dies das Ergebnis der kapitalistischen Hölle ist, in der normale Leute sich niemals die Dinge leisten können, mit denen sie durch Werbung bombardiert werden. Glaubt ihr, dass die Elite von Kathmandu in Bhatbhatani [Nepals größter Einzelhandelskette] geplündert hat? Nein, das waren Menschen aus der Arbeiter*innenklasse und der Mittelschicht. Glauben ihr, dass Bhatbhatani allzugroße Verluste erlitten hat? Die haben eine Versicherung. Das Hilton Hotel hat eine Versicherung. Haben die Eltern der toten Kinder eine Versicherung über Millionen von Rupien?
- Meter-byaj ist eine Form der Kreditvergabe mit exorbitanten Zinssätzen. In den letzten Jahren hat sich eine Protestbewegung dagegen gebildet.
- Im Juni 2019 gingen Tausende auf die Straße, um gegen einen Gesetzentwurf zu protestieren, der jahrhundertealte kommunale und religiöse Stiftungen verstaatlichen würde. Dieses als „Guthi“ bekannte System zur Erhaltung von Tempeln und traditionellen öffentlichen Räumen sowie zur Organisation von Festen hat seine Wurzeln in der Newar-Gemeinschaft, die im Kathmandu-Tal beheimatet ist.
- Der Bürgerkrieg endete 2006.
- Eine Bewegung für die Rechte der Madhesis Tharus, von Muslimen und Janjati-Gruppen in Nepal, mit großen Mobilisierungen in den Jahren 2007, 2008 und 2015.
- Lipulekh ist ein Himalaya-Pass an der Grenze zwischen Indien und dem von China regierten Tibet. Die nepalesische Regierung erhebt Anspruch auf die Südseite des Passes, die seit der britischen Kolonialherrschaft unter indischer Verwaltung steht
- Der Chirurg und Gesundheitsaktivist Dr. Govinda KC hat 23 Hungerstreiks durchgeführt, um Reformen zu fordern.